... singend Brücken bauen

Ho ho Watane – Schlaflied   
Trad. / Native Americans, Irokesen – 6 Nations (Mohawk)
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Ho ho Watane 3x
Kai yo ki na 2x

Ho ho Watane hat das Beruhigende eines Schlafliedes; es vermittelt, von Ahnen, Ahninnen und von guten Kräften getragen und im Stamm aufgehoben zu sein. Gleichzeitig entwickelt es oft eine klare Kraft als Ermutigungslied für ein Kind, seinen ganz eigenen Weg durchs Leben zu gehen. Es ist ein Schlaflied zur Bekräftigung in der Einzigartigkeit und im Gemeinschaftssinn.

Traditionell besteht jede Nation aus mehreren Klans, denen jeweils eine gewählte Klan-(Gross)Mutter vorsteht. Das Verwandtschaftssystem war matri-linear (Kinder trugen den Namen der Mutter), die Lebensweise matri-lokal (Ehemann zog zur Frau). Die Gesellschaft war demokratisch organisiert, das Individuum genoss erstaunliche Freiheiten. In der Kindererziehung wurde Verbundenheit zum Stamm, wie auch Unabhängigkeit und Nichtunterwerfung gegenüber Autoritäten gelehrt. 

Hintergrundrecherchen zum Lied
Dieses Lied wurde 1955 vom kanadischen Folksänger Alan Mills bei einem Besuch im Caughnawaga-Reservat festgehalten und dann auf einer Folkways-Platte gesungen. Telefonische Erkundigungen unsererseits beim «Kahnawake Education Center» sorgten jedoch für Staunen. Die Worte dieses Liedes ergeben für die Natives so keinen Sinn. Das ändert nichts an der Kraft des Liedes, welches in Tschechien mit leicht anderer Melodie zu einem Poprockhit avancierte.

Aussprache
w = (w)u, wie in engl. water / o = o(u)

Takt
4/4

Tonart / Anfangstöne
Cis-Moll
Mittlere Hauptstimme: gis gisfis fise e - fis fise ecis cis - ...
2. Oberstimme (auch für Männer): h ha agis gis - a agis gisf f - ...
3. Unterstimme (für tiefe Frauenstimmen oder Tenor): e ecis cis h h - cis cish hgis gis - ...

Allfällige Begleitung 
Bordun auf Cis/Gis oder auch D/A
Lieder der Ureinwohner Amerikas werden auch oft allein mit Trommeln und Rasseln begleitet.


Von den weissen Wurzeln des Friedens
Ernest Benedict, ein Mohawk, schreibt:
Jede Ratsversammlung der Irokesen beginnt mit einem Gebet. In diesem Gebet werden die Versammelten aufgefordert, dankbar zu sein für all das, was ihnen die Schöpfung gegeben hat – für alles auf der Erde und für alles über der Erde, wie Sonne, Mond und Sterne. Unser Volk weiss, daß der Natur eine wichtige Rolle zukommt, denn die Natur kann ohne den Menschen bestehen, der Mensch aber nicht ohne sie. Hegten die Weißen eine ähnliche Dankbarkeit für die Geschenke der Schöpfung, so wäre die Erde ein besserer Platz zum Leben, denn niemand vernichtet, was er verehrt und liebt.

Traditionell bestand jeder Stamm der Six Nations aus mehreren Clans, denen jeweils eine gewählte Clanmutter vorstand. Die Clanmütter wählten Häuptlinge und konnten sie auch wieder abwählen, wenn sie persönliche Interessen über jene der Gemeinschaft stellten. Das Verwandtschaftssystem war matrilinear, die Lebensweise matrilokal. Die Gesellschaft war demokratisch organisiert, das Individuum genoss erstaunliche Freiheiten. In der Kindererziehung wurden Verbundenheit zum Stamm wie auch Unabhängigkeit und Nichtunterwerfung gegenüber Autoritäten gelehrt. Vieles davon wird auch heute noch so gelebt.
Vor bald tausend Jahren verwandelten die Irokesen ein grausames Regime in einen Friedensbund. Davon könnte unsere Welt viel lernen. Hier die Geschichte kurz zusammengefasst: Die fünf verwandten Stämme Mohawk, Cayuga, Oneida, Seneca und Onondaga zerfleischten sich mit unerbittlicher Härte. Grausamkeit galt als Tugend, Kannibalismus gehörte zur Kultur, ihre Langhaus-Dörfer waren umgeben von Palisaden und Mauern der Angst. Da tauchte ein Peacemaker auf, und in zäher Überzeugungsarbeit machte er aus den Feinden Verbündete. Von nun an bildeten sie die Konföderation der Haudenosaunee, «Menschen der langen Häuser».
Im Territorium der Onondaga legte der Peacemaker die Wurzeln einer Kiefer bloss und liess alle Kriegshäuptlinge ihre Keulen und Tomahawks begraben. «Das Kriegsbeil begraben», sagte er, «diese Redewendung erinnert daran.» Die weissen Wurzeln, die in alle Richtungen wiesen, nannte er die »weissen Wurzeln des Friedens«; wer immer ihren Schutz suchte, durfte nicht abgewiesen werden. Dann entwarf der Peacemaker die Verfassung des Völkerbunds, das »Grosse Gesetz des Friedens«. Die Gesellschaft war von nun an in einer Clan-Struktur geordnet (wie oben beschrieben).
Bis heute ist der oberste Häuptling ein Onondaga, er eröffnet und beendet jede Sitzung. Bis heute trägt er den Titel Tadodaho und erinnert so an den gleichnamigen, blutrünstigen Onondaga-Despoten, der mit dunklen Zauberkräften seine Umwelt terrorisierte und Menschenblut trank. Sein Körper war, so wird erzählt, von Hass gekrümmt, aus seinen Haaren wuchsen Schlangen. Der Peacemaker und sein Gefolge zogen singend auf ihn zu, verhalfen ihm wieder zu einer menschlichen Gestalt und kämmten die Schlangen aus seinen Haaren. Als er wieder zu einem mitfühlenden Menschen geworden war, ernannte ihn der Peacemaker zum Feuerhüter, dem Hüter des Grossen Gesetzes. »Der Tadodaho erinnert uns immer daran, dass in jedem von uns auch das Böse erwachen kann. Unser Grosses Gesetz des Friedens sorgt dafür, dass es nicht erwacht«, sagt Dewasenta, eine aktuelle Clanmutter.
(Zu grossen Teilen aus oya 5, Claus Biegert «Von den weissen Wurzeln des Friedens»)


Quelle

Themen
AhnInnenkraft
aufgehoben sein
eigener Weg
Eigenständigkeit
Einzigartigkeit
Gemeinschaft
getragen sein
Lebensbestimmung
Regenbogen, eine Farbe im 
Rückenwind
Rückgrat
Stamm
Treue, sich selber gegenüber
Weg, geh deinen Weg
Würde
Zugehörigkeit